“LiBellchen are my conception of sewn, embroidered and beaded poetry.”

Liesel Niesner

Deutschland
Eine runde Sache

Können Sie „lieseln“? Es ist eine von Liesel Niesner entwickelte und nach ihr benannte Handnähtechnik für Patchwork-Objekte. Seit einigen Jahren näht sie in dieser Technik „LiBellchen“ – zauberhafte Raumdekorationen, Handschmeichler, Bälle. Sie werden mit einer Dekoration aus farbigen Garnen und Perlen bestickt. Dafür nutzt sie hauptsächlich 15er-Saatperlen – bis zu 3.400 kann man auf einem LiBellchen finden! Anlass genug, die Künstlerin den Lesern von Perlen Poesie vorzustellen.

Zu den Anfängen: „Mein Vater war Mau-rermeister und ich fand Ziegelmuster bzw. alte Back-steinmauern mit ihrer ruhigen Regelmäßigkeit im Ornament wunderschön. In der Schule hatte ich für Geometrie ein Faible“, berichtet sie, und weiter: „Zu Hause waren wir 3 Mädchen, 2 sind mit den Puppen spazieren gegangen und ich habe zu Hause Puppenkleidchen genäht. Später habe ich für meine 4 Kinder Kleidung genäht.“ Makramee und Porzellanmalerei kamen dazu, doch als ihre Tochter ihr 1978 aus England ein Buch über das Patchworken mitbrachte, traf dies ihren Sinn für ästhetische Reihungen. Autodidaktisch lernend entwickelte sie sich zu einer bekannten Patchworkkünstlerin. In jenen Jahren gab es in Deutschland nur eine sehr kleine Szene. Heimkehrer aus den USA brachten Knowhow und Inspirationen mit. 1985 wurde die Patchwork Gilde Deutschland e. V. gegründet und eine gleichnamige Zeitschrift herausgegeben. In über 30 Jahren hat Liesel bis heute etwa 150 großformatige Quilts genäht, im In- und Ausland ausgestellt und mehrere internationale Preise erhalten.

Das „Lieseln“ ist eine Abwandlung und Verbesserung der englischen Patchwork-Methode, Stoffstücke – z. B. Sechsecke – über Papier zu ziehen und dann beim Heften sowohl durch den Stoff als auch durch die Papiereinlage zu nähen. Diese Verfahrensweise war für gerade Kanten und haltbare Nähte sehr sinnvoll. Doch sie hatte den Nachteil, dass am Ende alle Heftfäden aufgeschnitten und die vielen Papiereinlagen „herausgefummelt“ werden mussten, wobei die nach innen umgeschlagenen Nahtzugaben verknitterten; sie waren dann kaum noch zu glätten. Liesels Methode vereinfachte den Arbeitsaufwand bei gleichzeitig besserem Ergebnis. Die Papierschablonen werden nicht mehr mitgenäht und können, nachdem die umgeschlagenen Nahtzugaben mit wenigen Stichen geheftet worden sind, her-ausgezogen und wiederverwendet werden. Das Material bleibt glatt und ist gleichzeitig weich.

Die innovative Patchworkerin wurde auch dafür bekannt, Fünfecken zu einer Fläche zusammenzunähen. Normalerweise näht man Bälle daraus, doch durch die Verkürzung einer der fünf Seiten im Verhältnis 4:3, kann man Flächen erhalten. Sie fügen sich nahtlos aneinander und können durch Rauten und Sechsecke ergänzt werden, was zu einer schier unendlichen Musterfülle führt.

Im Laufe der Jahre wurde das Nähen der großen Wandbehänge zu mühsam und Liesel suchte nach Alternativen. Durch Experimentieren erhielt sie dreidimensionale Zierobjekte, darunter schließlich ihre kugelförmigen „LiBellchen“. Dafür nähte sie Dreiecke bzw. Rauten zusammen. Die anschließende Verzierung kann sich am Stoffmuster orientieren, kann üppig, filigran, grafisch sein, sanfte Farben oder kräftige Kontraste haben. Sie sind sowohl exakt als auch von spielerischem Schwung. Ob vor dem Fenster, am Möbelknauf, in einer Schale liegend oder … oder … oder … ihr Anblick tut gut!

Andrea Ott