“Moon maker, time keeper ~ I enjoy creating things that make people wonder. Not an artist...but arts apprentice.”

Glennis Dolce

Vereinigte Staaten
Das „Shibori Mädchen“

Ihre in der Shibori-Technik eigenhändig gefärbten Seidenbänder sind eine extravagante Zutat in den Schmuckdesigns vieler renommierter Perlenkünstler (siehe Perlen Poesie 20, Seite 87) „Angefangen von den Falten, die einen necken, sie zu öffnen und zu schließen über die Farben, die sich entlang der Hügel und Täler wandeln, bis zum Griff der kühlen Seide – alles lädt ein, es in die eigenen Hände zu nehmen, um damit zu gestalten.“ … Perlen Poesie stellte der Kunsthandwerkerin einige Fragen:

Wie würdest du dich selbst beschreiben?

Das ist eine schwierige Fragen. Doch in einer Minute kann ich antworten, dass ich ziemlich praktisch veranlagt bin und sehr unabhängig (was manchmal stört).

Wie begannst du mit dieser Art der Handarbeit?

Ich bin seit 30 jahren eine Keramikerin, die sich 2006 der Arbeit mit Textilien zugewandt hat. Warum Handwerk? Als jemand, der die Unabhängigkeit liebt, konnte ich mich nie mit der Idee anfreunden, für jemand anders zu arbeiten oder die Gedanken und Ideen von anderen ausführen zu müssen. Seit der High School (Gymnasium) habe ich eigene Werke hergestellt und verkauft. Siebdrucke, Aquarelle, Kalligraphie, Webereien, handgemachtes Porzellan, Perlen – sind einige der Dinge die ich gemacht und verkauft habe. Es war einfach früh klar, dass das meine Natur ist. Während ich an der Schule Keramik studierte, gründete ich eine Porzellan-Firma, machte jedoch keinen Abschluss, weil ich durch viele Aufträge zu beschäftigt war – und habe es nie bereut. Obwohl meine Stiefmutter und meine Adoptivfamilie bis heute denken, ich bräuchte einen „richtigen Job“. Seltsam, dass sie diesen Gedanken nicht aufgeben nach all den Jahren, in denen ich mich selbst versorgen und meine Söhne aufziehen konnte. Vielleicht liegt das WARUM meiner Arbeit darin begründet: Ich will beweisen, dass ich es kann! Das und auch, weil es etwas ganz besonderes ist, etwas zu „herzustellen“ es mit den eigenenHänden zu erarbeiten – es führt zum eigenen Kern. Es zentriert einen. Es ist nicht ganz leicht herauszufinden, wie man in der Balance bleibt, wenn man „macht“ und  ohne Einkommen von außen lebt. Wenn man die Ausdauer hat, ist es jedoch ein sehr lohnendes Unterfangen. Vielleicht könnte man sagen, ich verdanke das allen, die nicht daran glaubten. Glaube – glaube an dich selbst!

Woher kommen deine Inspirationen und Ideen?

Von überall und nirgendwo her. Die Natur ist der wahre Künstler und alles um dich herum kann zur Inspiration werden, wenn du es durch die Augen der Schöpfung siehst. Pflanzen, Tiere, Insekten, Fische, der Ozean, Wald, Wüsten – man kann soviel daraus ziehen. Auch aus Poesie, Büchern, Fotografien, Musik, sogar manchmal Träumen. Außerdem, seitdem ich meinen eigenen Lebensunterhalt verdiene, bin ich bereit, auf den Rat von anderen zu hören. Ich schreibe meinen Blog, Ich verfolge aufmerksam, was andere antreibt und inspiriert. Manchmal führe, manchmal folge ich.

Fasziniert dich auch irgendetwas an Perlen?

Da ich keine Perlerin bin, ist das eine etwas schwierige Frage. Tatsächlich habe ich vor langer Zeit schon einmal Perlen aus Porzellan hergestellt. Ich mag die Natur handgemachter Perlen. Einer meiner Lieblingsplätze vereinigt beides: Perlen und Shibori. Itchiko Kubota (ein bekannter Shibori-Färber) hat ein Museum in der Nähe des Fujiyamas, das eine fantastische Kollektion von Handelsperlen in einem Gebäude zeigt und und seine Shibori Kimono Arbeiten in einem anderen. Ich mag die Leute dort und beobachte ihre Reaktion auf so viel Schönheit. Es ist schon recht überwältigend.

Wie beeinflusst Farbe dein Leben. Magst du Farbtrends, arbeitest du gern mit deinen Lieblingsfarben, gestaltest du mit einem breitem Spektrum oder folgst du Trends?

Farbe ist STARK! Und noch einmal: Ich folge der Natur, die den Weg zeigt. Ich besuche gern botanische Gärten, Gärtnereien, Parks oder alles, wo es eine Fülle von Pflanzen gibt. Ich schaue mir an, wie die Natur Farben arrangiert. Ich nehme wahr, wie Farbe mich beeinflusst, während ich färbe – besonders wenn ich die erste grundlegende Färbung mache. Als Keramikerin bin ich ja nie mit großen Mengen satter Farben umgegangen. Nachdem ich eine Weile dabei war, geschah etwas mit mir. Ich bekam ausgeprägte Phasen der Euphorie, während ich die Farben vor meinen Augen hatte. Das ist der Lieblingspart meines Arbeitsprozesses. Farbtrends? Nein ... Wann immer ich etwas von den Nachrichten bezüglich der Farbe des Jahres etc. mit bekomme, macht es für mich überhaupt keinen Sinn. Neulich sah, ich, dass die Farbe des Jahres „Orchid“ (Orchidee) sein soll. Es wirkte so matt und flach auf mich, fast depressiv. Kombinationen von Farben wirken auf mich anregend.

Wie arbeitest du? Eher spontan, in einer Art chaotischer Kreativität oder sehr ordentlich, diszipliniert?

Da meine Arbeit meinem Lebensunterhalt dient, besteht die Notwendigkeit einer gewissen Ordnung, um Chaos zu verhindern. Dennoch ich gehöre nicht zu denen, die alles in einen Zustand haben müssen, der jederzeit vorzeigbar und „bereit zum Fotografieren“ ist, um arbeiten zu können. Mein Arbeitsplatz sieht nicht hübsch aus. Ich bin jemand, der minimalistisch arbeiten kann, an einem sehr einfachen, improvisierten Arbeitsplatz und ebensolchem Zubehör, um einenJob erledigen zu können. Da ich nicht den Luxus von viel frei zur Verfügung stehendem Geld hatte, bin ich ziemlich erfinderisch geworden. Den Arbeitsprozess zu gestalten, hat mir immer Freude gemacht, es ist Teil des Gesamtdesigns. Mach es funktionierend. Mache das Designen mitten im Arbeitsvorgang möglich, erfinde den Prozess, um darin Design und Ideen unterzubringen. Kann man beides wirklich trennen? Das ist einer der Gründe, weshalb ich liebe, was ich tue. Ich kann mir die Dinge von Anfang bis Ende vorstellen. Und es dann tun.

Wo siehst du dich in der Zukunft?

Die Zukunft ist nicht verhersagbar. Ich projiziere nicht viel in die Zukunft, sondern versuche mich den aufkommenden Situationen anzupassen. Jeder erklommene Hügel zeigt dir einen neuen Horizont. Strample weiter. Wechsle den Gang, wenn notwendig. Bleib anpassungsfähig. Sei bereit, dich neu auszurichten. Was meine Wünsche betrifft, ich wünsche mir, dass sich mehr Leute überhaupt Gedanken über Möglichkeiten machen (Ich sage immer, man sollte mehr Nachfragen in dieser Welt. Wenn du anfängst, Möglichkeiten zu erkunden und du von diesem Punkt aus losgehst – wer weiß, was dann alles in die Tat umgesetzt werden kann! Erfolg kommt in verschiedener Form, er braucht Zeit und viel geduldiges Üben, wenn es ums „Herstellen“ geht. Zumindest dann, wenn wir vom Lebensunterhalt und von qualitätvoller Arbeit sprechen.

Magst du Ausstellungen, Galerien, Museen?

Mein Gott, ich wünschte, ich könnte mehr herauskommen, um mehr Ausstellungen zu sehen. Ich sehe gern Reprospektiven, was Maler und Bildhauer betrifft, um die ganze Breite ihrer Werke zu erfassen. Wie sie angefangen haben und welchen Weg sie gegangen sind, den Prozess ihrer Entwicklung. Ich mag Handwerk (natürlich) und sah neulich eine tolle Korb-Ausstellung in Yosemite, wo ich auch einen Kurs in Korbflechten bei der wunderbaren Julia Parker machte – was für eine Freude! Ich mag künstlerisches Handwerk, dass im täglichen Leben genutzt werden kann. Ich freue mich schon auf die Calder Ausstellung im LACMA. Auch würde ich gern die jährliche Ausstellung National Treasures (nationale Schätze) im Shosoin in Nara, Japan mal sehen. Letztes Jahr besuchte ich endlich das Boro Museum in Tokyo und auch das Mingeikan.

Herzlichen Dank, Glennis!