Christoph Althammer

Österreich
Perlarbeiten – eine alte Tradition

Wie würden Sie sich beschreiben? Was mögen Sie, was erregt Ihre Aufmerksamkeit?

Aufgewachsen bin ich in Salzburg Stadt, umgeben von einer sehr behütenden und kreativen Familie. Allerdings lebte und lebt meine Familie in der Gegenwart – ich habe mich als Kind schon eher der Vergangenheit „näher“ gefühlt. Umso mehr fühle ich mich dazu „berufen“, Kulturgüter der Handwerkskünste und die damit verbundene Geschichte in unserer puristischen Zeit, in der Masse vor Qualität steht, zu bewahren.

Wann haben Sie Ihre Kreativität entdeckt? Waren Sie immer schon kreativ tätig?

Kreativ war ich schon immer, also auch als Kind, allerdings wurde ich in meinen Möglichkeiten zu Beginn begrenzt, da es sich zum Beispiel, wenn es nach meiner Familie ging, nicht für Buben gehörte, mit Perlen zu hantieren. Malen war damals eine der einzigen Möglichkeiten, mich kreativ auszudrücken. Als ich in die Hauptschule ging, habe ich ein Geschäft in der Altstadt von Salzburg entdeckt – die Bastlerecke. Ein kleines Bastelgeschäft, die zu allen Fach- und Themengebieten nicht nur die Materialien, sondern auch die Kurse dazu angeboten haben. Über einen kleinen Umweg, nämlich die „Klosterarbeiten“ in denen man mit Glaswachsperlen und Golddrähten feine Kunstwerke erarbeitet, kam ich dann auch zum Schmuckmachen. Über die Jahre hinweg, habe ich mich in den Techniken stets weiterentwickelt und -gebildet und eine Zusammenarbeit und Freundschaft mit dem Team der Bastlerecke aufgebaut.

Sind die Arbeiten mit Perlen Ihr Hobby oder ist es zum Beruf geworden?

Ich arbeite weniger an meinen Kreationen als ich gerne würde. Das Problem ist einfach, dass jede Frau tollen Schmuck tragen möchte, allerdings nicht für die Arbeitszeit zahlen möchte. Daher gestaltet sich der Verkauf auch leider etwas schwierig. Hauptberuflich arbeite ich im Sozialen Dienst in der Führung und sehe daher meine Kunst eher als Hobby, da ich auch nicht finanziell davon abhängig bin und machen kann, was und wann ich will. Dabei versuche ich jedoch, fachmännisch heranzugehen ...

Warum und wann haben Sie mit Glasperlen angefangen zu arbeiten? Welche anderen kreativen Dinge haben Sie schon erlernt?

Wie gesagt, habe ich mit ca. 11 Jahren (also in der Hauptschule) mit den Klosterarbeiten angefangen. Mit ca. 12 – 13 Jahren habe ich die ersten Schmuckstücke angefertigt – Häkelketten denke ich, waren die ersten. Kreativ habe ich mit Bildern begonnen. Auch heute male ich liebend gerne Bilder – spezialisiert habe ich mich auf Tierportraits – zu sehen auf www.christoph-althammer.at in der Galerie.

Was oder wer inspiriert Sie, woher bekommen Sie Ihre Ideen?

Beim Malen werde ich von Gustav Klimt, der Wiener Sezession und dem Jugendstil inspiriert. Beim Schmuck inspirieren mich ebenfalls historische Epochen. Besonders inspirierend finde ich die Juwelierarbeiten der Künstler des Jugendstils – Carl Fabergé, René Lalique oder Paul und Henri Vever, um einige zu nennen.

Wurden Sie durch einen anderen Perlenkünstler beeinflusst? Gibt es ein Vorbild?

Beraten und unterstützt wurde ich immer von drei Damen – Uschi Selner, Petra Schieferer und Karola Krautschneider, die sich auch immer für meine kreative Laufbahn interessierten und mich voranbrachten. Uschi und Petra sind die Inhaberinnen der Bastlerecke – dem Geschäft, das ich schon weiter oben nannte. Karola Krautschneider bezeichne ich gerne auch als meine „Künslter-Mama“. Sie kennt mich auch schon seit ich klein war, da ich mit ihrem Sohn gemeinsam in eine Klasse der Volksschule gegangen bin. Über Umwege haben wir uns dann zum kreativen Austausch gefunden und arbeiten seit ca. 15 Jahren gemeinsam – jeder an seinem Stil oder seiner Kunst, aber wir helfen uns gegenseitig, uns weiterzuentwickeln.

Geben Sie gewisse Materialien oder Techniken den Vorzug vor anderen? Wenn ja, warum?

Beading Embroidery – das freie Perlennähen – ist die für mich interessanteste Technik – ganz einfach aus dem Grund, da man an keine Form oder an ein bestimmtes Material gebunden ist. Gerade für die Entwürfe meiner Colliers ist dies von großem Vorteil. Mir ist aber immer wichtig gewesen, alles was ich mache zur Perfektion zu treiben, was oft schwierig war, da ich immer vieles auf einmal machen wollte – vom Malen angefangen, über Seidenmalerei, Holzbearbeitung, Nähen, … bis hin zur Perlenverarbeitung … Mir sind alle Techniken und Künste wichtig …

Was fasziniert Sie an Perlenarbeiten, dass Sie bei diesem Handwerk geblieben sind?

Ich finde, dass gewisse Handwerkstraditionen bewahrt und weitergegeben werden müssen. Die Perlarbeiten waren bereits in den vergangenen Epochen, von großer Bedeutung. Egal ob in den aristokratischen Kleidungsstücken oder den trachtigen Perlbeuteln – wenn man genau hinsieht, hatten Glasperlen eine große aber nicht gerade offensichtliche Bedeutung. Ich versuche jedenfalls, diese Tradition aufrecht zu halten.

Was hat sich während Ihrer Zeit als Schmuckmacher verändert – in Ihrer Arbeit oder auch in Ihrer Anschauung?

Verändert hat sich auf alle Fälle die Größe und die Qualität der Perlen – die Techniken (Stiche) sind ja immer die gleichen, also musste ich am Material etwas ändern – und von den ursprünglichen Rocailles 2,5mm, mit denen ich am Anfang gearbeitet habe, bin ich jetzt auf die kleinsten – die Miyuki Mini Rocailles 1mm umgestiegen, mit denen ich hauptsächlich arbeite. Und natürlich – da ja auch die finanziellen Mittel gestiegen sind – haben sich auch die Materialien geändert. Aber besonderen Wert lege ich darauf, besondere und ausgefallene Materialien zu verwenden – um damit Schmuckstücke zu kreieren, die auch nicht jeder tragen würde … Zum Beispiel habe ich in einem meiner Colliers Schädel von Kleintieren eingearbeitet – es trägt den Titel Memento Mori und ist inspiriert von den „Totencolliers“ des Barock.

Projekte des Künstlers

Perlen Poesie 22